Thüringer Ultra 2009 - 4. Juli 2009...Nun war es mal wieder soweit: ich hatte mich wieder zu einem Läufchen gemeldet. Nach dem es in diesem Jahr nicht so dolle verlief - im Winter Glatteis, Ostern Fahrradsturz, danach Bronchialkatharr mit vergeigter Harzquerung - hatte ich mich dieses Jahr mal bei dem Thüringer Ultra mit 100 km und 2150 Hm gemeldet.
Verursacherin war Sinchen, die mich mit ihrem letztjährigen Bericht über diesen Lauf richtig gespannt gemacht hatte. Meine Trainingsgrundlage war etwas dünne, aber in den letzten Wochen doch relativ konstant, so daß ich es wagen wollte. Deshalb noch schnell am letzten Tag des etwas preiswerteren Vorverkaufes meine Meldung abgeschickt und los konnte es gehen. Ich habe nicht so genau auf die Uhr geschaut, aber es war wohl so gegen 19:00 oder etwas später als wir dann in Fröttsch aufschlugen. Auto auf der Wiese geparkt, die schon voller Zelte jedweiler Größe war. Micha, Holger und ich hatten ebenfalls kleinere Zelte dabei, während Jörg es sich im Wagen gemütlich zu machen gedachte. Es sollte ja nur 1 Nacht werden, denn Jörg plante morgen dann gleich wieder nach Berlin zurückzufahren. Wunsch und Wirklichkeit... ;-) Im Vorfeld - auf insistierende Fragen von Jörg - hatte ich angesagt, daß ich als Zeit 14:00 Std. plane...tja, soviel zur Planung...
Na gut, schon während des Zeltaufbaus kamen die ersten Gesichter vorbei: Andreas und Bettina - wobei, es ja doch immer wieder die selben Verdächtigen sind, die man bei solchen Läufen trift - und das macht ja auch diese schon beinahe familiäre Atmosphäre aus.
Sodann die Startunterlagen (Startnummer, Sportidentkärtchen zur Zeitnahme, 2 Essenmarken und 1 Biercoupon) geholt und erst einmal eine Schale Nudeln geordert.
Zwischendurch Bekannte begrüßt: Lothar Feicke (100km Leipzig), Lothar und Monika Preißler, Bill Nickl, Jochen Stöckmann, Grace Sacher und und und (falls ich jemand vergaß, sorry). Dann aber auch gleich die Gelegenheit genutzt, bekannte Namen mit den entsprechenden Gesichtern zu verknüpfen: André Dreilich (Zeitungsdieb), Holger Sakuth (Rennsteigsprotte), Peter Genz, Gunthero Roth (dem wir das Ganze hier zu verdanken haben...) und später auch noch Guenthi. (vermutlich habe ich auch hier jemand vergessen... :-))
Nach dem Essen (inklusive einer original Thüringer Rostbratwurscht - sehr lecker), 2-3 Bierchen und Schwätzchen hier und dort, ging es langsam auch schon ins Zelt auf die Matte in den Schlafsack.
Nun noch den Handy-Wecker auf 2:50 Uhr gestellt (Start war um 4:00 Uhr früh) und schon konnte ich versuchen einzuschlafen, was mir jedoch erst relativ spät gelang, denn so dick sind ja nun Zeltwände auch nicht... :-) Jedoch, als es dann anfing zu regnen und die Tropfen ihr eintöniges Stakkato auf das Zeltdach trommelten, da gings dann doch recht schnell. 2:45 aufgewacht - eben wie es immer geht, wenn ich mir einen Wecker stelle: 5 min. vor dem Klingeln werde ich wach: erst einmal nach draussen gelauscht - kein Regen zu hören. Nun meine bereitgelegten Sachen angezogen, mein Camelback gefüllt, Fotoapparat inkl. Ersatzbatterien sowie Handy eingepackt, mein Garmin umgemacht, tja und dann das Zelt aufgemacht und nach draussen gespät: Gut , gut die anderen waren auch schon wach. Also rausgekrabelt und erst einmal frühstücken: 2/2 Brötchen und einen Topf Kaffee. Dann noch mal schnell zum Auto von Jörg gegangen und einige Sachen eingeschlossen und dann war es auch schon soweit: der 3. ThüringerUltra wurde gestartet. Es ging zuerst vom Platz raus vorbei an großen Lauffeuern (manche qualmten noch wegen des nächtlichen Regens) durch Fröttstädt und dann raus durch Felder gen Laucha. Alles war noch relativ flach, nur ein kleiner Hügel lag einfach so auf unserem Weg. Unterwegs kam ich dann mit Markus Ernst ins Gespräch, der plant, nextes Jahr den UTMB mitzulaufen - was ich ihm ohne weiteres zutraue.
Und plötzlich tauchte hinter mir eine Schneggi auf, ein Powerschneggi eben: Hans Drexler - es war schön, Dich auch mal direkt, quasi von Visage zu Visage kennenzulernen... :-) (ich freu mich schon auf Deinen Bericht...).
Nach 10 km dann in Sondra die erste Labstation - es ist ja noch morgens, also erst einmal einen Kaffee getrunken und dann mit Hans weitergestapft.
Nun ging es langsam etwas nach oben, durch schöne Wälder und bis zum nächsten Verpflegungspunkt in Begleitung von Schneggi - es waren schöne Gespräche die wir geführt haben. Inzwischen hatte ich auch schon meine Stöcke fertuggemacht, die mir besonders auf den Abstiegen in Waldboden gute Hilfe leisteten (Entlastung der Oberschenkel beim bergabelaufen). Ach, und ehe ich es vergesse: es war schawühl, aber so von schawül - das Hemd und alles war nass... :-(
Dann, beim Verpflegungspunkt 2 trennten wir und und jeder lief seinen Stiefel. Dann auf dem Weg zu Ruhlaer Skihütte (der Rennsteig läßt grüßen) wanderte ich vorwiegend, ging es doch die nächsten Kilometer immer bergauf - auf - auf - auf.... :-) Dann - ich vermute mal etwa hier war der 1. längere Anstieg zu Ende - erreichte ich Dreiherrenstein und danach ging es ein wenig bergab, wo ich wieder etwas laufen konnte.
Aber das ging recht schnell vorbei und der nächste Anstieg lag vor mir...:-)) Bei Km 34 dann die Grenzwiese - ebenfalls bekannt vom Rennsteiglauf. Zwischendurch immer wieder schöne Eindrücke des Waldes und schliesslich hinter dem VP Gänsberg, musste ich dann doch auch mal die überall am Wegesrand in unterschiedlichen blühenden Digitalis fotographieren... überhaupt gab es viele Motive, die ich leider nicht fotographiert habe, die es aber wert gewesen wären...
Dann am Endes des Abstieges, kurz vor dem KM 51, kam dann die von den Eingeweihten gepriesene alte Eisenbahnstrecke mit dem alten Viadukt - und dem Asphaltbelag, auf dem ich meinen Beinen nach den Feld-, Wald-, Wiesen- und Schotterwegen ein wenig Ruhe gönnen und vor mich hinjoggen konnte.
Auf dem Sportplatz VP 8 waren 51 km erreicht und langsam wurde die Sonne doch ein wenig stärker - also mein Kopftuch ausgerollt und nass gemacht. Tja, und dann musste / durfte ich auch schon wieder weiter : hinein in den nächsten Anstieg (ca. 400 m auf 6 km).
Zwischendurch noch ein kleines Schwätzchen mit einem Eingeborenen :-) gehalten, der mir erzählte das er bis zu seinem 69/70igstem Lebensjahr auch noch aktiv beim Skilanglauf gewesen war - heuer war er gerade dabei Holzkloben für seinen Kamin zu verladen... Nun gings wieder bergab und für mich begann eine unangenehme Zeit: Mein Wasser war mir ausgegangen, die Sonne stand relativ hoch und es gab keine Möglichkeit zu trinken - obwohl neben mir plätscherte ein Bach. Aber in das Bachbett runterzusteigen war mir doch nach reiflicher Überlegung ob des Zustandes meiner Oberschenkel ein wenig zu gewagt... :-) Also trottete ich fürbass vor mich hin, in Erwartung, daß irgendwann Tambach mit dem nächsten VP auftauchen würde - es tauchte...vorbei an einem Schwimmbad (lechzt...)...mit kühlem Wasser (gier)...immer weiter...dann der VP erreicht...und nur noch zwei Becherchen H2O verfügbar.... Nagut, musste ich also warten, bis neues Wasser herbeigeschafft wurde, was ja auch nach einigen Minuten geschah. Also meine Wasservorräte wieder aufgefüllt und weiter gings... Heraus aus Tambach ging es einen kleinen, ansteigenden Weg - nichts besonderes, aber dann kam eine kleine Linkskurve und in dieser Kurve hatte ich auf einmal einen stechenden Schmerz in der Gegend des linken, kleinen Zehs - okay, also war damit auch diese Blase geplatzt. Also musst ich meinen Fuss erst einmal neu sortieren und da ich schon dabei war machte sich auch gleich noch die Blase am rechten Fuss bemerkbar - toll :-(. Und obwohl es im Prinzip eine ganz schöne Strasse war, es lief sich nunmehr sehr bescheiden. Aber, man kennt sowas ja von anderen Läufen - also Augen zu und durch. Mein nächstes Ziel war jetzt erst einmal, Finsterberge zu erreichen und zwar in der Zeit, denn dort war die nächste Cut-off Kontrolle und durch die musste ich durch: Schaffte ich auch 17:22 war ich durch und meine Haxen hatten gehalten :-) Da ich wusste, daß ich es auf keinen Fall bis 18:00 Uhr schaffen würde, versucht ich nun irgendwie die Handy-Nr. von Jörg rauszukriegen - vergebens: alle, die es wissen könnten waren nicht zu erreichen. Ich wollte Jörg doch nur sagen, daß er schon fahren sollte, ich würde mir dann morgen irgenwie eine Rückfahrt nach Berlin organisieren. Irgendwann gab ich es auf, musste es auch, denn nun gab es einen richtig steilen Abstieg - aber so was von.... Schliesslich den VP 13 bei km 79 erreicht - wobei ich mich nun immer erkundigen musste, wo ich momentan wäre, denn der Akku meines Garmin hatte seinen Geist aufgegeben und ich war auf meine Polar umgestiegen, damit ich zumindestens noch die Zeit vor Augen hatte. Ich machte mich nun relativ schnell wieder vom Hof, hatte aber jetzt einen Schotterweg vor mir und diese Steine waren für meine Fußsohlen nicht gerade der feinste Untergrund, besonders auch meine Fersenblasen ware inzwischen aufgegangen - aber ich wollte mir das Malheur nicht angucken sondern versuchte es einfach zu ignorieren - bloß zeitlich geriet ich immer mehr in der Rückstand... :-( - aber dann lag Tabarz vor mir. Schön waren die toll bemalten Treppen und irgendwo hier musste auch der VP 14 sein. War er auch, d.h., er war, bzw. die Mannschaft saß gerade im Auto und fuhr los... :-((. Da ich keine Zeit mehr zu verlieren hatte, lief ich einfach weiter, etwas Wasser hatte ich ja noch in meinem Trinkrucksack. Und ich konnte langsam wieder ein wenig traben - rund um eine große Kuhherde, die sich gerade zum Abendgebet versammelt hatte.
Und meine Fahrtgemeinschaft war auch noch da - Danke, daß ihr auf mich gewartet habt...:-)) und dann keine Gedanken mehr... Nur noch meine Klamotten ausgezogen, irgendwie in Zelt geschmissen und dann gaaaanz langsam zur Dusche geschlichen : steif, jeden Muskel spürbar, jede Sehne und Blase am Fuss spürbar - aber dennoch happy - besonders daß ich es geschafft hatte und irgendwie auch stolz, das ich die letzten 10 km nochmal in ca. 63 min. gelaufen war - etwas was ich mir niemals zugetraut hätte.
Schwierig war es dann noch ins Zelt zu kommen; irgendwie wollten meine Beine es nicht zulassen, daß ich auf die Knie gehe. Und dann einfach nur noch die Augen zu.....!
Zwischendurch noch ein kleines Frühstück und dann ging Richtung Berlin. In Zehlendorf verabschiedeten sich dann Micha und Holger, während Jörg mich noch bis beinahe vor die Haustür fuhr - ich hoffe, Du bist dann auch noch gut und zügig nach Hause gekommen. Es war ein schönes Wochenende mit einer tollen Fahrgemeinschaft und wir hatten alle wohl eine sehr gute Zeit und auch das Lachen kam nicht zu kurz... und vielleicht gibts ja auch dieses Jahr Tja, und nächste Jahr am 1. Sonnabend im Juli - man wird sehen... :-)) |